Ich lese gerne und regelmäßig die englische Tageszeitung. Im Radio höre ich BBC London und im Fernsehen lasse ich mich von ITV oder BBC über das aktuelle Geschehen informieren. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass es große Unterschiede zu den deutschen Nachrichten gibt. Nicht nur das man eine andere Auswahl trifft, sondern man legt auch andere Schwerpunkte. Der Engländer verlangt stets nach Unterhaltung und Witz und dem kommt man nach. In letzter Zeit wieder sehr regelmäßig und das ist gut so. Man merkte in den letzten Jahren, während der Brexit Verhandlungen, einen deutlichen Rückgang an lustigen Beiträgen. Den Journalisten war der Humor verloren gegangen und dem Volk ging es ähnlich. Das war wirklich deprimierend zu lesen und zu beobachten. Auf einmal gab es keinen Unterschied mehr zwischen deutscher Tagesschau und englischen ‚Beyond 100 News‘. Ein Disaster, zum Glück endlich überwunden.

 

13.6.2020 - Queen's Birthday Parade

Nächsten Donnerstag wäre ich nach London geflogen. Abends dann zur Militärshow 'Beating Retreat' mit Prinz Charles als Ehrengast. Am nächsten Tag hätte ich Geburtstag gefeiert und am Samstag dann an der großen Strassenparty zu Ehren der Königin 'Trooping the Colour' teilgenommen. Alles nicht möglich, das blöde Virus versaut einem so ziemlich jeden Spaß. Alles wurde abgesagt. Es wird eine kleine Zeremonie in Windsor zu Ehren der Queen geben, aber Besucher sind nicht vorgesehen. Noch muß Abstand gehalten werden, six feet, was zwei Metern entspricht. Oder wie George sagt: "My new middle-name is two meters.'

Übrigens wurde auch der RAF flypast abgesagt. Keine Flugzeuge, keine Familie auf dem Balkon, keine Menschenmassen auf der Mall. Aber ein Versprechen von der Königin: "We'll meet again".

5.6.2020 - Maskenpflicht

Schon komisch. Irgendwie macht die britische Regierung alles nach, was man in Deutschland gerade beschlossen hat. Immer mit zeitlicher Verzögerung und wenig Fachkenntnis. Jetzt ist es die Maskenpflicht, die 'plötzlich' eingeführt wird. Sie gilt in allen Zügen, also auch in der Underground und in den Bussen.

Man hat es verkündet fängt damit aber erst in zehn Tagen, am 15. Juni, an. Warum??? Die Regierung gibt keine Antwort. Aber man kann es ahnen. Es gibt leider noch immer nicht genügend Masken zu kaufen. Nur jeder zweite Londoner verfügt über einen solchen Schutz. Jetzt werden also Schnittmuster und Nähanleitungen verteilt. Und dann, endlich, wird auch in London das Bahnfahren ein bißchen sicherer sein. Übrigens verkehren die Tubes inzwischen wieder häufiger. Die Piccdilly Line fährt ca. alle fünf Minuten.

Sehr originell: Der Engländer bastelt sich seine Maske aus einer alten Socke. Hoffentlich vorher gewaschen.

6.1.2020 - Böses Erwachen?

Für den 31. Januar ist eine große Party vor dem Parliament geplant. Dort wo das Denkmal von Churchill steht, wird man sich zur neugewonnenen Souveränität gratulieren. Hoffentlich fällt der verehrte Staatsmann nicht vor Schreck vom Sockel. In der Zeitung lese ich fast täglich kurze Nachrichten, die eher von einer düsteren Zukunft ausgehen. Die Zahl der neu errichteten Armenhäuser (!) war nie höher als aktuell. Oder die Zahl der insolventen Hotels, was kein Wunder ist, denn die werden zu fast einhundert Prozent mit europäischen Personal betrieben. Dazu dieser Text, der im Daily Telegraph zu lesen war:

Hotel closures soar as firms cancel 'away days' The number of UK hotels insolvencies hit a five-year high in 2019. ... Reasons: Many businesses cut back on conferences and 'away days' last year because of an uncertain economy. Hotels also had to contend with weaker consumer demand as the number of overseas tourist fell.

Das ist keine Überraschung, allerdings sind die Engländer fest davon überzeugt, dass nunmehr alles wieder bergauf gehen wird. Da drücke ich ihnen ganz fest die Daumen.