Ich lese gerne und regelmäßig die englische Tageszeitung. Im Radio höre ich BBC London und im Fernsehen lasse ich mich von ITV oder BBC über das aktuelle Geschehen informieren. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass es große Unterschiede zu den deutschen Nachrichten gibt. Nicht nur das man eine andere Auswahl trifft, sondern man legt auch andere Schwerpunkte. Der Engländer verlangt stets nach Unterhaltung und Witz und dem kommt man nach. In letzter Zeit wieder sehr regelmäßig und das ist gut so. Man merkte in den letzten Jahren, während der Brexit Verhandlungen, einen deutlichen Rückgang an lustigen Beiträgen. Den Journalisten war der Humor verloren gegangen und dem Volk ging es ähnlich. Das war wirklich deprimierend zu lesen und zu beobachten. Auf einmal gab es keinen Unterschied mehr zwischen deutscher Tagesschau und englischen ‚Beyond 100 News‘. Ein Disaster, zum Glück endlich überwunden.

 

5.1.2020 - Die königliche Familie rückt enger zusammen

Gleich zum Jahresanfang wurde ein neues 'offizielles' Foto der Königin veröffentlicht. Das Bild wird für den Druck einer Sonderbriefmarke genutzt werden. Auf dem Foto sind neben der Königin ihre drei direkten Thronfolger zu sehen. Alle lächeln professionell in die Kamera, auch der Jüngste macht das keine Ausnahme. Die scheinbar ungezwungene Pose ist ganz bewußt eingenommen worden und solche Sachen müssen beherrscht werden, denn die Presse ist stets dabei.

Bemerkenswert fand man die Beinkleider von George, der normalerweise die üblichen kurzen Hosen trägt, die gerade in der upper class ganzjährig üblich sind. Also für Kinder, nicht für die erwachsenen Lords, die zeigen kein Bein und das ist auch besser so. Es ist wohl das erste Foto von George in langer Hose und das heißt, er wächst auch so langsam in seine künftige Rolle hinein. Es fällt auch auf, dass keine Ehepartner anwesend sind. Ein deutlicher Hinweis, dass man die königliche Familie deutlich verkleinern wird. Nach dem Skandal um Prince Andrew, legt man Wert darauf, dass nicht jeder Windsor das Königshaus repräsentiert.

4.1.2020 - Inventur im Londoner Zoo

Auch das gehört zu den Neujahrsbräuchen in London: das Durchzählen aller Tiere im Zoo. Und wenn man schon dabei ist, werden sie auch gleich gewogen und vermessen. Wer hat zugelegt, wer ist dicker geworden und wer ist überhaupt noch da? Das könnte bei manchen Arten ganz schön anstrengend werden, so ein Schwarm Fische will partout nicht stillhalten. Einfacher ist es im Löwengehege. Da kennt man sich gut und muß die Namen nur noch auf der Tafel abhaken. Die Löwen sind gut drauf und lecken die Kreide gleich mal wieder ab. Trotzdem ist alles alright, niemand fehlt und niemand hat sich unerlaubt eingenistet.

6.1.2020 - Böses Erwachen?

Für den 31. Januar ist eine große Party vor dem Parliament geplant. Dort wo das Denkmal von Churchill steht, wird man sich zur neugewonnenen Souveränität gratulieren. Hoffentlich fällt der verehrte Staatsmann nicht vor Schreck vom Sockel. In der Zeitung lese ich fast täglich kurze Nachrichten, die eher von einer düsteren Zukunft ausgehen. Die Zahl der neu errichteten Armenhäuser (!) war nie höher als aktuell. Oder die Zahl der insolventen Hotels, was kein Wunder ist, denn die werden zu fast einhundert Prozent mit europäischen Personal betrieben. Dazu dieser Text, der im Daily Telegraph zu lesen war:

Hotel closures soar as firms cancel 'away days' The number of UK hotels insolvencies hit a five-year high in 2019. ... Reasons: Many businesses cut back on conferences and 'away days' last year because of an uncertain economy. Hotels also had to contend with weaker consumer demand as the number of overseas tourist fell.

Das ist keine Überraschung, allerdings sind die Engländer fest davon überzeugt, dass nunmehr alles wieder bergauf gehen wird. Da drücke ich ihnen ganz fest die Daumen.