In der Dunkelheit schleichen ungute Geister durch die Nacht. Einbrecher huschen über Mauern. Gut wenn ein Wachhund aufpasst. Auf unseren Cockapoo würde ich mich allerdings nicht verlassen. Er schläft am tiefsten von uns dreien, schnarcht lauter als George und ist eher ein Angsthase. Aber zum Glück ist bei uns nie etwas passiert, wir sind vorsichtig und bitten alle Schutzengel um ein waches Auge. Anders war es heute nacht, ein paar Kilometer weiter, mitten in Westminster. Da wurde kurz nach zwei Uhr die Polizei gerufen, nachdem ein Mann, 22 Jahre alt, das große Eingangstor vor dem Buckingham Palace überstiegen hatte. Er war einfach drüber geklettert, nicht ganz einfach, weil ziemlich hoch, aber offensichtlich machbar.

 

 

Ich kenne keine Details, tippe aber auf einen nicht mehr ganz nüchternen Engländer. Die machen solche Sachen, denn sie sind sich nie eines Risikos bewußt. Durch die Bank sind sie harmlos und das traf auch auf den nächtlichen Besucher im Palast zu. Er ist inzwischen wieder auf freien Fuß. Aufmerksam wurde man erst, als er mit der Faust laut gegen die Eingangtür wummerte. Da rieb sich die Leibwache die Augen und Erinnerungen wurden wach. Es ist nämlich fast genau auf den Tag 37 Jahre her, als sich Michael Fagan bis ins Schlafzimmer der Queen vorarbeiten konnte. Die war übrigens auch heute Nacht im Palast. Damals hatte der Einbrecher es irgendwie geschafft durch ein offenes Fenster einzusteigen und dann mit viel Glück ausgerechnet die Tür zu öffnen, hinter der die Königin in ihrem Bett lag. Alleine, der Gatte hatte schon damals sein eigenes Schlafzimmer und kriegte natürlich nix mit. Wo waren eigentlich die Corgies??? Die Königin blieb damals ganz cool, bot dem Mann einen Platz am Fußende an und fing an sich mit ihm zu unterhalten. Wenn ich mir vorstelle, meine Schlafzimmertür öffnet sich und ein Fremder tritt ein, dann würde ich wahrscheinlich ziemlich hysterisch reagieren. Oder einfach tot in die Kissen sinken?

Aber ich muß mich nicht schämen, denn die Queen ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Das bewies sie auch Anfang der Woche, als sie in Cambridge eine Gedenktafel einweihen sollte. Tausend Mal gemacht, das ist königlicher Alltag. Man hatte die auch nicht ganz neue Idee, einen Baum anlässlich des hohen Besuchs zu pflanzen, und nun stand der Direktor etwas verlegen, mit dem Spaten in der Hand, vor seiner Königin. Sollte er das grobe Werkzeug wirklich an die zierliche, alte Dame weiterreichen oder sollte er einfach selbst die Erde in das vorbereitete Loch schaufeln? Bange Blicke zwischen ihm und der Protokoll-Chefin. Aber die Queen hatte es längst gemerkt und wußte genau, was dem Mann gedanklich quälte. Also übernahm sie die Regie mit den Worten: “No, no, I can still plant a tree.“ Sprach’s, reichte die Handtasche an die lady-in-waiting weiter und griff sich den Designer-Spaten.

Originellerweise hatten bereits ihre Großeltern, an selber Stelle, einen Mulberry tree, im Jahre 1921, gepflanzt. Der war inzwischen eingegangen. Der Gastgeber erinnerte trotzdem stolz an den damaligen Besuch und die Königin erwiderte: “Extraordinary isn’t it! That’s very interesting, yes”. Und ging dann auf das jähe Ende des ersten Baumes ein: “I gather it died?” Darauf antwortete der Dekan: „He died in 1930.“ Und die Königin konterte: „No, the tree.“ Großes Gelächter.

Dann schnackte man noch ein bißchen über das jährliche Bootsrennen zwischen Cambridge und Oxford, tauschte seine Erfahrungen mit englischen Wein aus und genoß schlußendlich einen private lunch im College. Kurz bevor die Königin dann wieder in ihr Auto einstieg, wandte sie sich noch einmal an den Gastgebern. Mit ausgestreckten Arm zeigte sie auf den gerade gepflanzten Baum und bat energisch um eine helping hand: “Somebody’s going to have to plant it properly now.”