Der kleine Stadtteil Mayfair, der zur City of Westminster gehört, ist eine der teuersten Wohnlagen in London. Geografisch klar umgrenzt, lässt sich das Gebiet gut ausmachen. Mayfair wird im Westen vom Hyde Park begrenzt, im Süden von der Piccadilly, im Westen von der Regent Street und im Norden von der Oxford Street. Oder anders gesagt, Mayfair liegt zwischen Marylebone und St James’s, dem Hyde Park und Soho.

 

 

Es gibt zwei Grundeigentümer, die vermutlich kaum etwas von ihrem Besitz verkaufen werden, aber durchaus langfristig vermieten. In der Regel sind es möblierte Wohnungen, irgendwie etwas altmodisch ausgestattet, mit dunklen Parkettfußböden, aber mit Blick auf den Berkeley Square oder gar Hyde Park. Drei Zimmer (100qm) kosten 1.600 Euro pro Woche (!), dafür gibt es aber auch einen concierge service im Haus. Falls Sie interessiert sind, -es ist die Kaltmiete-, müssen Sie sich an die Familie Grosvenor oder an die Queen wenden. Wobei die Königin nur in ihrer Eigenschaft als Staatsoberhaupt den Besitz inne hat, es ist nicht ihr privates Eigentum. Anders ist es bei den Grosvenors, ihnen gehört das Land seit langer Zeit. Vermutlich ein Geschenk des Königs für treue Dienste, auf jeden Fall war man klug, es nicht zu verkaufen, obwohl es über lange Zeit wenig wert war. Heute ist der Besitz unfassbar wertvoll und deshalb zählt die Familie zu den reichsten im Land.

Mayfair ist nett, fast ein bisschen dörflich im besten Sinn. Obwohl die Bewohner enorm reich sein müssen, geben sie sich irgendwie ganz normal. Es ist schwer zu sagen, ob man gerade mit einem Millionär spricht oder mit dessen Butler, der den Hund auftragsgemäß ausführt. Ich denke ich hatte das Glück mit dem ‚Original‘ zu reden, denn Angestellte tragen in der Dienstzeit kein ’smart casual‘. Die Menschen in Mayfair zahlen zwar immense Mieten, wohnen aber doch auf der Etage und niemand kommt auf die Idee seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Niemand hat hohe Zäune, abgesperrt Tore oder ähnliches. Eigentlich kann man den Leuten bis vor’s Fenster nahe kommen, nur hin und wieder blitzt das viele Geld kurz auf, beispielsweise inform eines teuren Autos. Einen weiteren Hinweis geben die Geschäfte. Sie verraten die wahre Finanzlage der Nachbarschaft. Man findet hier sehr viele teure Gallerien und dazwischen Luxusshops wie den Laden von Victoria Beckham in der Dover Street. Mir fehlte der Mut einfach mal ein Foto zu machen, -nächstes Mal wird das nachgeholt-, aber der Shop sah schon etwas merkwürdig aus. Kein Kunde, kein Angestellter und kaum Ware zu sehen. Minimalistische Einrichtung, schlichte Borte an den Wänden, darauf alle paar Meter ein Schuh, mutterseelen alleine wartend auf einen Kunden. Sonst nix, keine Deko in den Fenstern, alles nackt und kahl. Ich war irgendwie amüsiert, aber das war wahrscheinlich nur verdeckter Neid.

Mein Ziel war eigentlich der Grosvenor Square, weil dort über Weihnachten Geld für einen wohltätigen Zweck gesammelt wurde. Für zehn Pfund konnte man eine wunderschön gefertigte weisse Rose kaufen, die dann auf den Rasen gesteckt wurde. Zusammen mit den tausenden anderen ergab das ein sehr hübsch anzusehendes schneeweisses Feld. Jede Blume trug ein Schild, darauf eine handgeschriebene Nachricht des Spenders. Die erinnerten sich an kürzlich verstorbene Personen in der Familie oder im Freundeskreis. Eine schöne Idee um Geld für einen guten Zweck zu sammeln.

 

Wohnen am Grosvernor Square (2) + (3). Der kleine, gepflegte Park liegt in der Mitte der sechsgeschossigen Häuser und ist für jedermann frei zugänglich. Die Mieten für die relativ kleinen Wohnungen sind astronomisch hoch.

 

Wenn in den Namen der Geschäfte das Zeichen ‚&‘ häufig auftaucht, dann ist man in Mayfair oder in St James’s. Alles Traditionshändler (7), natürlich auch für die Queen, was stolz auf einem Schild bekannt gegeben wird. – Rechts ein prachtvoller Eingang zu einem der Häuser am Grosvenor Square.

 

Dann zog es mich zum Berkeley Square, denn wer kennt das Lied nicht: A Nightingale Sang in Berkeley Square:


That certain night, the night we met
There was magic abroad in the air
There were angels dining at the Ritz
And a nightingale sang in Berkeley Square
I maybe right, I maybe wrong

But I’m perfectly willing to swear
That when you turned and smiled at me
A nightingale sang in Berkeley Square
The moon that lingered over London town
Poor puzzled moon, he wore a frown

How could he know we two were so in love
The whole darn world seemed upside down
The streets uptown were paved with stars
It was such a romantic affair
And as we kissed and said goodnight
A nightingale sang in Berkeley Square!

Isn’t it romantic? Übrigens von Glenn Miller geschrieben. Noch ganz in Gedanken an das Lied und mit Blick auf einen wunderschönen alten Bentley im Schaufenster des dortigen Autohauses, entschlüpfte mir ein: „Oh, what a beauty!“, was dann aber bei dem attraktiven Herrn neben mir ganz falsch ankam. Der nahm Reissaus, die Anmache war ihm wohl zu plump. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, eigentlich war das Auto gemeint, aber er, ebenfalls ein Oldtimer, war auch nicht ohne Klasse.

 

Gediegene Autos deuten auf den Reichtum der Bewohner des Viertels. Ein Oldtimer (5) stand im Geschäft eines Händlers und der Rolls (4) war vor einem Restaurant geparkt.

 

Mitten zwischen den Neubauten auf einmal ein uraltes Haus aus Tudor Zeiten. Schweres Eichenholz an den Fenstern und das Dach scheint auch noch mit alten Schindeln gedeckt zu sein (6). Dann kommt man auf den Piccadilly und plötzlich umfängt einen wieder der Lärm und die Hektik der Großstadt.

 

Nun ging ich nur noch die Dover Street bis zum Ende und schon stand ich auf dem Piccadilly. Dort der übliche Verkehrslärm, huzzle & buzzle, Bus hinter Bus und eine Taxe nach der anderen. Drüben, auf der anderen Seite, das Hotel Ritz. Dort habe ich mal Stephen Fry getroffen. Also nicht im Hotel, wo er gerade aus der Bar kam, aber gleich davor. Er wohnt ganz in der Nähe, allerdings nicht in Mayfair sondern im angrenzenden St James’s. Das passt für ihn vielleicht auch besser, aber darüber schreibe ich dann mal in einem eigenen Post.

 

 

Vielleicht noch ein kleines PS:

Der Pferdekopf, der ich als Titelbild gewählt habe, steht vor dem Marble Arch. Das ist die nord-westliche Ecke von Mayfair und ein guter Startpunkt für ein Tour durch diesen Stadtteil. Man kommt mit der U-Bahn dorthin oder mit einem der vielen Busse, die durch die Oxford Street fahren.

Und dann sollte ich noch den Ursprung des Namens erklären, aber eigentlich ist das gar nicht notwendig. Denn MAYFAIR darf man wörtlich übersetzten. Es ist der Ort in London, wo früher im Mai ein großer Markt stattfand. Und diese Tradition lebt noch heute, sogar täglich, nämlich auf dem Shepherd’s Market. Leider hatte ich keine Zeit dorthin zu gehen, aber das wird nachgeholt und steht ganz oben auf meiner Liste.